Hobby zum Beruf gemacht! Wie schön! Oder?

„Be carefull what you wish.“ So und nur so kann ich antworten, wenn ich im nachhinein auf sechs Jahre Tortenbäckerei zurückblicke. Warum das so ist? Ein kleiner Rückblick...

Hobby zum Beruf gemacht! Wie schön! Oder?

Eins vorweg - ich kann nur jedem raten, dass Dinge die man in seiner Freizeit leidenschaftlich gern macht, sich nicht in allen Fällen für die berufliche Selbstverwirklichung eignen. Und manches bleibt besser ein Hobby.

Wenn man mich fragt was meine Lieblingsspeisen sind – so kommt viel herzhaftes in die Aufzählung. Von Bratwurst, Kartoffelbrei und Rotkraut über Hühnersuppe hinzu Mettbrötchen. Auch Süßes ist dabei – aber eher so Sachen wie Zimtschnecken, Dampfnudeln oder Arme Ritter. Torte eher weniger, Marmorkuchen – gern.

Da fragt man sich „Warum in Gottes Namen fängt jemand an Torten zu backen?“ Mit bis zu fünf Stockwerken, mit Rezepten von gekürten Pâtissiers als Standard? Warum friemelt man stundenlang an Fondandfiguren rum? Warum quillt aus jedem Küchenschrank ein Utensil für höchste Tortenkunst?

Weil es geil ist, es zu können.

Ok, das muss man jetzt nicht unbedingt verstehen – aber ich habe in meinem Leben schon so einiges gemacht, weil ich es können wollte. Die Dinge waren immer kreativer Natur. Ob Schwarz-Weiß Fotolabor im Keller, Kalligrafie, Bildhauerei, Töpfern auf der Drehscheibe, Aquarellmalerei – ich habe schon vieles ausprobiert und ungelogen, hätte ich mit so mancher Sache weiter gemacht, es „durchgezogen“, dann dann … ach naja. Habe ich oft nicht. Es war ja nur ein Hobby – wer braucht das in Perfektion? Hobbies sollten zur Entspannung dienen. Perfektion ist selten entspannend.

Tja und beim Backen war das anders. Da bin ich schnell in eine perfektionistische Richtung geraten, die von allen bestaunt wurde, mir in Nullkommanix zig Follower bescherte, meinen Ehrgeiz weckte und meinem Ego schmeichelte. Betriebswirtschaftlich sich jedoch oft nicht auszahlte, selten skalierbar war und daher gewinnorientiert niemals sinnvoll. Und daher war Ende 2018 Schluss mit backen.

Und zwar so richtig. 2019 habe ich – bis auf eine Geburtstagstorte für meine Tochter und der Hochzeitstorte für meinen Bruder – keinen einzigen Kuchen gebacken. Und das, obwohl es in den fünf Jahren zuvor sicherlich an die 1000 große und kleine Gebäckstücke waren, wenn man Cupcakes und Torteletts mitzählt deutlich mehr.

So langsam kommt er aber wieder. Der Spaß am Backen. Das Interesse an Kreationen und wie sie zu realisieren sind. Naht ein Geburtstag habe ich Lust etwas Besonderes zu kreieren und meine Liebsten mit einer Torte zu überraschen. Da kann ich stundenlang Backbücher, Blogs oder Pinterest sichten und mir Ideen holen. An dieser Stelle ist es hilfreich, wenn ich mir ein zeitliches Limit für die Recherche setze. Ansonsten ufert das ins unendliche aus und wenn es besonders schlimm ist, dann fahre ich den Rechner runter, schließe die App auf dem Handy und bin so schlau wie vorher – Inspirations-Overkill.

Nicht alles echt. Die schöne Welt des Scheins.

Die Inspirationen aus der Welt von Insta und Pinterest sind ein Widerspruch in sich – einerseits findet man wirklich schöne Ideen, auf die man selbst niemals gekommen wäre. Andererseits siehe ich dann Bilder (nicht nur) von Torten, bei denen ich denke – niemals, wirklich niemals bekomme ich das so geil hin. Und man fühlt sich – obwohl man tolle Sachen macht – ganz klein. Für die Psyche nicht gerade der Brüller.

Ok – ich weiß nach dem Besuch unzähliger Messen auch, dass viele dieser Torten reine Show-Torten sind – innen mit Styroporkern. So ein künstliches Gebilde ist geduldig mit allem was man mit ihm so anstellt. Styropor schmilzt nicht, wenn man seine Fondanthülle stundenlang mit feinen Pinselstrichen zu Meisterwerken, die dem Louvre würdig sind, verwandelt. Styropor kann man ganz locker auch mal auf die Seite legen oder auf den Kopf stellen. Wäre da eine Moussetorte drin, sieht die Welt gleich anders aus. Nicht nur die Sahne wird sauer – auch der Kunde der so ein olles, über mehrere Tage verziertes Ding dann auf dem Büffet stehen hat.

Ich habe in meinem Leben exakt fünf Showtorten mit Styroporkern gemacht – zu mehr hatte ich keinen Nerv. Ich hatte immer den Wunsch, dass meine Arbeit jemanden erfreut und auch schmeckt. In den meisten Fällen habe ich das hinbekommen. Doch manchmal lagen Erwartungshaltung der Kunden und Möglichkeiten bei einer echten Torte, sowie – und jetzt kommts – das Budget nicht auf einer Wellenlänge.

Ehe riskiert und Nächte geopfert.

Kritisch waren Kunden, die sich im Netz inspirieren ließen und wirklich keine blasse Ahnung hatten, welche Zeit so ein Kunstwerk in Anspruch nimmt. Sie legten einem, mit den Worten: „So, genauso hätte ich die Torte gern.“ ein Bild auf den Tisch und schauten ganz erwartungsvoll. Bei der Antwort, „Die ist aber hübsch, wie hoch ist denn ihr Budget?“ hoben sie dann erstaunt die Braune und fragten „Warum, was kostet denn so eine Torte? “. Tja, was soll ich sagen? Manche waren unbezahlbar – weil ich viel Lebenszeit und Nerven investiert habe, meine Ehe riskiert und die Nächte geopfert.

Honorar ist nicht gleich Preis.

Honorar kommt von honorieren - also eine Leistung anerkennen. Und bei einer besonderen Torte für Hochzeiten und andere Anlässe sollte es daher nicht mehr um den Preis gehen, sondern um das honorieren einer kreativen (Dienst)Leistung, die darüber hinaus auch noch lecker schmeckt.

Drum – wer nicht die Fähigkeit besitzt eine besondere Torte selbst zu backen und zu verzieren, dem sei an dieser Stelle ans Herz gelegt: Würdigt die Arbeit eines Konditors nicht nur in Bezug auf den essbaren Anteil von Mehl, Zucker und Sahne. Sondern die Fähigkeit aus simplen Zutaten ein Geschmackserlebnis zu erschaffen, dass dann noch in mühevoller Handarbeit zum Gesamtkunstwerk wird. Es ist eine lange Ausbildung, viel Erfahrung und immer wieder Enthusiasmus für eine Arbeit, die Viele nur als „profane Ernährung“ abtun. Genießt mehr, was ihr am Gaumen schmeckt und Euer Auge erfreut und honoriert es – in Worten und in dem des Meisters Kasse klingelt.

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