Geschichtsverein Nierstein: Einladung zur Ausstellungseröffnung „Für Freiheit und Republik“ am 1. Oktober im Rathaus

Zur Eröffnung der Ausstellung spricht Ministerpräsident a. D. Kurt Beck.

Geschichtsverein Nierstein: Einladung zur Ausstellungseröffnung  „Für Freiheit und Republik“ am 1. Oktober im Rathaus

Am 3. Oktober feiern wir seit 1990 jährlich unsere Demokratie – in Einigkeit und Recht und Freiheit. So gefestigt wie heute waren demokratische Strukturen in Deutschland aber nicht immer.

Anders als unser Staat heute stand vor gut 100 Jahren die Weimarer Republik vom Tage ihrer Gründung an innen- und außenpolitisch permanent unter Druck. Das Jahr 1923 war u. a. geprägt von der Ruhrbesetzung, Separationsbestrebungen im Rheinland und in Bayern, kommunistischen Aufstandsversuchen sowie dem Hitler-Putsch in München.

Als Reaktion darauf entstanden aus den Reihen ehemaliger Weltkriegssoldaten, prorepublikanische Schutzorganisationen, die sich am 22. Februar 1924 zum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ zusammenschlossen. Das Ziel war die waffenlose Verteidigung der Republik gegen ihre Feinde von rechts und links. Der Verband orientierte sich am militärischen Vorbild, war ausgestattet mit Uniformen, Fahnen und Abzeichen und trat in der Öffentlichkeit in geschlossenen Formationen auf, um für die Republik zu kämpfen.

Der Geschichtsverein Nierstein lädt herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung „Für Freiheit und Republik! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Kampf für die Demokratie 1924 – 1933“ am Freitag, 1. Oktober 2021 um 19 Uhr in die Riesling-Galerie des Rathauses Nierstein, Bildstockstraße 10. Zur Eröffnung spricht Ministerpräsident a. D. Kurt Beck.

Diese Ausstellung ist als Wanderausstellung von der Gedenkstätte Deutsche Widerstand konzipiert. Auf 31 Bannern dokumentiert sie mit ausdrucksstarken Fotos und Dokumenten den umfassenden Einsatz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold für die demokratische Republik von Weimar und macht deutlich, dass von einer „Republik ohne Republikaner“ nicht gesprochen werden kann.

Die Organisation wuchs bis auf ca. dreieinhalb Millionen Mitglieder. Angesichts der Wahlerfolge der Nationalsozialisten 1930 intensivierte die Organisation ihren Einsatz für die Demokratie und schloss sich 1931 mit Gewerkschaften und der SPD zur Eisernen Front zusammen. Der Kampf wurde bis 1933 geführt. Nachdem Hitler Reichskanzler wurde, wurde die Organisation verboten, die Mitglieder verfolgt, inhaftiert oder gingen ins Exil.

Auch in Rheinhessen war das Reichsbanner aktiv.1928 wurde in Nierstein eine örtliche Organisation gegründet, die aus ca. 30 Personen bestand, meist Sozialdemokraten, jedoch auch Zentrumsleute und Liberale. Vorsitzender wurde Johann Philip Schultheiß, der Vorsitzende der hiesigen Deutschen Demokratischen Partei. Der Leitspruch der Organisation hieß „Aktivität, Disziplin und Einigkeit“, einer der Zugführer war Jakob Schuch, der 1945 von den Nazis auf dem Kornsand erschossen wurde.

Die Bundesrepublik Deutschland erfreut sich einer großen Stabilität. Professor Edgar Wolfrum nennt sie eine „geglückte Demokratie“. Krisen, seien sie innenpolitischer oder außenpolitischer Natur, konnten bis zum heutigen Tage bewältigt werden, die Republik war in ihrem Bestand nie bedroht. Im Zuge der Neuordnung der Welt nach 1989, dem Machtzuwachs Chinas, der imperialen Politik Russlands, dem Aufkommen regionaler Mächte, dem Islamismus, der Globalisierung, der Individualisierung und Vereinzelung, dem überstaatlichen Machtanspruch, den Tech-Giganten erheben, dem Primat der Wirtschaft gegenüber der Politik, ist die politische Stabilität der Bundesrepublik durchaus Bedrohungen ausgesetzt. Im Bundestag sind heute fünf Parteien, die nicht alle demokratischen Idealen verpflichtet sind, vertreten. Querdenker, Reichsbürger, Anhänger von Verschwörungstheorien stellen sich mehr oder weniger offen gegen die Grundlagen des Staates. Wir müssen also wachsam sein, den Anfängen wehren, für die demokratischen und sozialen Werte unsere Republik einstehen und erkennen, dass diese nicht selbstverständlich sind. Von daher hat diese historische Ausstellung einen konkreten Bezug zur Gegenwart.

Coronabedingt ist eine Anmeldung zur Ausstellungserföffnung erforderlich unter mail@geschichtsverein-nierstein.de oder telefonisch unter 06133 – 507515 (Axel Schwarz). Es gelten die am Veranstaltungstag aktuellen Coronaregelungen.

Die Ausstellung kann bis zum 30. Oktober während der Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

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