Von Kreppel, Berliner und Pfannkuchen - närrisches Gebäck, ernsthaft betrachtet

Die RheinSelz-Highlights Backkolumne: Von der Herausforderung und dem Glück vor einer vollen Schüssel Kreppel zu sitzen.

Von Kreppel, Berliner und Pfannkuchen - närrisches Gebäck, ernsthaft betrachtet

Neulich stand ich vor der Bäckereitheke und war schier sprachlos. Unsere geliebten Kreppel in zig Varianten, was für ein Angebot! Ob Marmelade (Aprikose, Fruchtmischung oder Pflaume), mit Eierlikör, Pudding- oder Schokocreme, als Witz mal mit Senf – eingekleistert mit Zuckerguss, Kuvertüre, Streuseln und anderem Schnick Schnack. Ob als Pfannkuchen, Berliner, Mutzen oder Krapfen - Landauf, landab gibt es in der 5. Jahreszeit das leckere Schmalzgebäck zu kaufen. In Rheinhessen sind es Kreppel. Überwältigt von der Theke und enttäuscht von der Tatsache, dass es keinen banalen, ungefüllten Kreppel gibt, lass ich es sein und kauf ein Brot.

Doch das Thema ist nicht erledigt. Kreppel, das mache ich dieses Jahr doch mal selbst. Nachdem ich die letzten 50 Jahre immer von meiner Mutter versorgt wurde, wenn nicht freiwillig, dann auf Bestellung, stelle ich mich dieses Jahr mal der Herausforderung. Schaut man nach Rezepten im Netz ist ganz vorn in der Vorschlagsliste „Berliner wie vom Bäcker“ … Ehrlich? Nee. Da hätte ich sie auch kaufen können. Und wer will die denn? Berliner vom Bäcker sind meistens ne ziemliche Luftnummer. Oft ohne Geschmack – wenn man von der Füllung und dem Zucker drumherum mal absieht. Oder nächster Vorschlag „Berliner ohne frittieren“ – ähmm??? Hallo? Das ist ein Fettgebäck, das muss so!

Sympathisch wird es ab Googlevorschlag „Berliner Rezepte wie von Oma“. Ok, auch da gibt es natürlich große Unterschiede. Ich kann mich erinnern, als Kind Kreppel der Nachbarn gegessen zu haben, die wären auch gut als Dotzball durchgegangen. Unvergleichlich bleiben daher einfach die der eigenen Mutter. Und die wiederum hat ihr Rezept von ihrer Mutter. Also doch. Berliner wie von Oma. Also WhatsApp an Mama: „Schick mir doch mal das Rezept Deiner Kreppel“. Es folgt. Ein Foto, fast umgehend. Und nach ein bisschen Pause auch noch Tipps zur Umsetzung und zu den Zutaten.

Nun könnte es los gehen. Ich muss mich noch entscheiden, ob ich wirklich 1:1 bei der Durchführung ala Mama bleibe. Dafür sprechen einige Argumente. Denn unsere Kreppel, also die, die sind wie von Oma – sind NICHT rund! Sie sind länglich, haben in der Mitte ein Loch und sind einmal geschlungen. Sieht hübsch aus und ist ganz einfach. Warum die so sind? Ganz einfach – Hefeteig (und lasst Euch nicht erzählen Kreppel gehen auch anders!), lässt sich zwar nach dem Ausstechen runder Kreppelexemplare wieder zusammen kneten, aber die Luft ist damit raus. Wortwörtlich. Und wenn ich’s mir recht überlege, sind das wahrscheinlich die Exemplare, die es damals von den Nachbarn gab. Also, wenn ich ja auch nicht so auf die Luftnummern vom Bäcker stehe – bissl Luft muss schon sein, damit die so gut schmecken. Alternativ könnte man noch den Teig zur Rolle formen, teilen und kleinen Stücke zu Kugeln drehen. Aber egal – wir rollen den Teig aus und schlingen einmal.

Unsere familientraditionelle Form hat für alle Liebhaber gefüllter Kreppel allerdings einen Nachteil. Der gefüllte Kreppel muss rund sein, damit man so einen schönen Klecks Marmelade da rein spritzen kann. Und das geht bei unserer gezwirbelten Variante nicht. Oder nicht mehr so gut. Die längliche Variante hat allerdings auch noch einen grooooßen Vorteil: Nach dem der Hefeteig schön gegangen ist, wird er viereckig ausgerollt. Anschließend mit dem Pizzarad in Streifen schneiden. Loch mittig rein schneiden. Teig aufnehmen, das eine Ende durch das Loch zwirbeln, auf einem Brett wieder auslegen und noch mal gehen lassen. In einem Arbeitsschritt ist der gesamte Hefeteig ohne Verluste komplett verarbeitet. Toll, oder?

Wichtig ist dann nur noch richtiges Frittieröl bzw. -fett (wegen dem Rauchpunkt) und die passende Temperatur. Während die einen auf Erdnussöl schwören, nehmen andere traditionell Schmalz. Ich habe mich für Pflanzenfett entschieden. Ab ins heiße Vergnügen und beide Seiten gerade so lange frittieren, bis die Kreppel eine schöne hellbraune Farbe angenommen haben. In Zucker wälzen und fertig. Nun noch Kaffee kochen und die gesamte Familie schwelgt im Kreppelglück. Berliner (wie) vom Bäcker? Wer baucht die denn?

Autorin: Maike Riedel; Jahrgang 1970; Rheinhessin durch und durch. Leidenschaftliche Hobbybäckerin und Kreativer Kopf - bekannt als Fräulein Fine, mit dem gleichnamigen Blog (https://www.fraeulein-fine.de/).

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