Landesbeauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen besucht die VG Rhein-Selz

Mitunter wurde der barrierefreie Radweg zwischen Oppenheim und Guntersblum getestet.

Landesbeauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen besucht die VG Rhein-Selz

Am 28. Juli besuchten der Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Matthias Rösch, und seine Büroleiterin, Dr. Kerstin Steinfurth, die Verbandsgemeinde Rhein-Selz, die sich in der Umsetzung des im letzten Jahr entwickelten Kommunalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen befindet.

Das Besuchsprogramm in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz, im Rahmen der Sommertour von Matthias Rösch, startete am Verwaltungsgebäude der VG Rhein-Selz in Oppenheim, da der Landesbehindertenbeauftragte mit dem Fahrrad den barrierefreien Radweg zwischen Oppenheim und Guntersblum testen wollte.

Bevor man mit dem Rad nach Guntersblum startete, begrüßte die 1. Beigeordnete Gabriele Wagner die Gäste aus Mainz am Rondo, als auch eine Vielzahl an Mitwirkenden aus der VG Rhein-Selz. So sagten spontan ihre Teilnahme an der Radtour, dem Besuchsprogramm und dem Erfahrungsaustausch zum Aktionsplan Inklusion der Verbandsgemeinde Rhein-Selz zu: die Beigeordnete Christina Bitz, der Beigeordnete Stefan Herte zuständig für Soziales und Inklusion, SPD-Fraktionssprecher Mario Gebhardt und sein Stellvertreter Joshua Schmitt, Bündnis90/Die Grünen-Fraktionssprecher Torsten Kram, Seniorenbeiratsvorsitzender Dr. Anton Miesen, Achim Baumgärtner Beigeordneter der Ortsgemeinde Dienheim und Ratsmitglied Heidi Krebühl aus Dienheim und aus der VG-Verwaltung die Fachbereichsleiterin für Soziales Christina Blum sowie der Leiter des Tourismus-Service-Center (TSC) Rudolf Felgner.

Im Rahmen der Radtour wurde in Ludwigshöhe an dem neu errichteten Gemeindezentrum mit integrierter Feuerwehrgerätehalle ein Zwischenstopp eingelegt. Ortsbürgermeister Hartmut Zimmermann hat die Delegation empfangen und das gemeinsame Bauprojekt von Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde kurz vorgestellt. Besichtigt werden konnten dabei die nach den baurechtlichen Anforderungen für öffentliche Gebäude absolut barrierefrei gestalteten Räumlichkeiten. Das Gemeindezentrum wird neben Gremiumssitzungen und Festlichkeiten der Kommune vor allem auch unter dem Aspekt der interkommunalen Zusammenarbeit sowohl von den Ludwigshöher Vereinen als auch der ortsansässigen Feuerwehr für eigene Schulungen, Besprechungen und Feierlichkeiten genutzt. Auch den Ludwigshöher Einwohnerinnen und Einwohner stehen die Räumlichkeiten für private Veranstaltungen zur Verfügung.

Anlässlich der Information zum Sachstand „Inklusion in Rhein-Selz“ und auch zur Frage, wie geht es weiter, tauschten sich die Vertreterinnen und Vertreter des Landes sowie aus der Verwaltung und Politik der VG Rhein-Selz im Weingut Baumann in Guntersblum aus.

Anschließend hatte dann die Verbandsgemeinde Rhein-Selz zu einem kleinen Empfang beim Weingut Baumann in Guntersblum eingeladen, an dem ferner die Beigeordnete Ulrike Franz der Stadt Oppenheim, 1. Beigeordneter Klaus Anderweit Guntersblum sowie die - erst Anfang Juli – neu in das Amt der Behindertenbeauftragten des Landkreises Mainz-Bingen eingeführte Yvonne Bless teilnahmen.

Stefan Herte, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Rhein-Selz mit dem Geschäftsbereich „Soziales“ und damit auch zuständig für das Thema „Inklusion“, begrüßte nochmals im Weingut Baumann alle Teilnehmer und berichtete rückblickend, wie der Kommunale Aktionsplan „Inklusion Rhein-Selz“ im Rahmen eines eineinhalb jährigen Beratungs- und Begleitprozesses, unter Beteiligung eines dafür eigens eingerichteten Steuerungskreises, bestehend aus Mitgliedern der Verwaltung, der Politik und externen Sachverständigen, und unter fachlicher und kompetenter Begleitung der Firma transfer - Unternehmen für soziale Innovation aus Wittlich, entstanden ist.

Bereits 2017 wurde ein Arbeitskreis Inklusion gegründet, der sich systematischer mit der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den Kommunen beschäftigen sollte. Um dies zu unterstützen wurde 2019 begonnen, für die Verbandsgemeinde und die 20 Kommunen einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu erstellen. Daraufhin hat der Verbandsgemeinderat im Mai 2019 beschlossen, einen Beratungs- und Begleitprozess zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von behinderten Menschen durchzuführen. Dabei wurde die Verbandsgemeinde Rhein-Selz dankenswerterweise finanziell vom Landesbehindertenbeauftragten unterstützt. So wurden in den zurückliegenden 1 ½ Jahren Workshops unter Beteiligung der lokalen Akteure, aber auch Sitzungen des Steuerungskreises und zahlreiche Abstimmungsgespräche durchgeführt.

Nun liegt das Ergebnis dieses intensiven Diskussionsprozesses in Form eines Aktionsplans vor. Dieser ist nach den Worten von Stefan Herte die Grundlage für einen stetigen Bedeutungszuwachs von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, aber auch dem ureigenen Grundrecht zur Teilhalbe von Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben. Weiter führt er aus, dass sich die Lebensqualität in einer immer älter und immobiler werdenden Gesellschaft nur durch eine entsprechende öffentliche und private Infrastruktur in den Kommunen steigern lässt. Denn hier findet die Teilhabe bei Freizeit, Sport und Kultur in den Vereinen und durch touristische Angebote, die Teilhabe in Wirtschaft und Arbeit in den Betrieben sowie die Teilhalbe an Bildung in Kindertagesstätten und Schulen statt. Daher sieht die Verbandsgemeinde die Inklusion als eine Querschnittsaufgabe mit großem Potenzial in den Kommunen.

Wie Inklusion im touristischen Bereich erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt das Beispiel eines in sich schlüssiges Inklusionsangebot vom Hotel SCHLAFGUT und Weingut DOMHOF in Guntersblum. So verfügt das 2016 eröffnete SCHLAFGUT Domhof über ein barrierefreies Doppelzimmer im Erdgeschoss und ist durch einen zertifizierten Erheber durch die Prüfstelle „Reisen für Alle“ mit dem Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“ – barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung, barrierefrei für Menschen mit Rollstuhlfahrer ausgezeichnet und darf das Prüfsiegel als Kennzeichnung führen. Wie alle anderen mit dem System „Reisen für Alle“ zertifizierten Betriebe und Orte erfüllt auch das SCHLAFGUT und Weingut die Qualitätskriterien, dass die Daten und Angaben zur Barrierefreiheit von einem externen, speziell geschulten Erheber vor Ort erhoben und geprüft wurden; das heißt es handelt sich um keine Selbsteinschätzung des Betriebs. Auch die Daten zur Barrierefreiheit liegen im Detail vor und können von den Gästen eingesehen werden. Und mindestens eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter des Übernachtungsbetriebes hat an einer Schulung zu dem Thema „Barrierefreiheit als Komfort- und Qualitätsmerkmal“ teilgenommen.

So erfüllen die prüfrelevanten Bereiche beim SCHLAFGUT alle Qualitätskriterien der Kennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft – barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer“. Beispielhaft zählt zur Barrierefreiheit, dass es einen gekennzeichneten Parkplatz für Menschen mit Behinderung (Stellplatzgröße: 350 cm x 600 cm) gibt, das Gebäude stufenlos zugänglich ist, alle für den Gast nutzbaren und erhobenen Räume und Einrichtungen ebenerdig zugänglich sind, alle für den Gast nutzbaren und erhobenen Türen oder Durchgänge mindestens 90 cm breit sind, die Rezeption an der niedrigsten Stelle 110 cm hoch bzw. eine andere, gleichwertige Kommunikationsmöglichkeit im Sitzen vorhanden ist, sowie im Frühstücksraum unterfahrbare Tische vorhanden sind (Maximalhöhe 80 cm, Unterfahrbarkeit in einer Höhe von 67 cm und einer Tiefe von 30 cm).

Neben dem absolut barrierefrei zertifizierten Doppelzimmer ist ferner für die Veranstaltungslocation des gegenüberliegenden Weingutes der Familie Baumann ein öffentliches WC für Menschen mit Behinderung vorzufinden. Die Bewegungsflächen betragen vor/hinter der Tür, vor dem WC und vor dem Waschbecken mindestens 150 cm x 150 cm; links und rechts neben dem WC mindestens 100 cm x 70 cm. Es sind links und rechts vom WC Haltegriffe vorhanden, die wiederum hochkappbar sind. Das Waschbecken ist unterfahrbar, der Spiegel ist im Stehen und Sitzen einsehbar. Und es ist ein Alarm-auslöser vorhanden.

Für TSC-Manager Rudolf Felgner ein Leuchtturmprojekt, bei dem die Servicekette für barrierefreien Tourismus von „A bis Z“ stimmig ist. So ist man von Seiten des TSC Rhein-Selz bestrebt, zusammen mit den kommunalen Entscheidungsträgern, den örtlichen Vereinen und touristischen Leistungsträgern den Aspekt der Inklusion im Freizeit- und Kulturbereich sowie bei den touristischen Angeboten weiter auszubauen, um so Allen die Möglichkeit der Teilhabe auch auf diesem Gebiet zu ermöglichen.

Anlässlich der Information zum Sachstand „Inklusion in Rhein-Selz“ und auch zur Frage, wie geht es weiter, tauschten sich die Vertreterinnen und Vertreter des Landes, die Behindertenbeauftragte des Kreis Mainz-Bingen Yvonne Bless sowie aus der Verwaltung und Politik der VG Rhein-Selz im Weingut Baumann in Guntersblum in einem offenen Dialog aus.

Auf der Rückfahrt nach Oppenheim machte die Delegation noch einen Zwischenstopp am „Haus der Bürger“ in Dienheim. Der 3. Beigeordnete Achim Baumgärtner informierte über die Sanierung des ehemaligen „Totengräberhauses“. Dieses denkmalgeschützte Gebäude erstrahlt nach mehr als 20 Jahren „Dornröschenschlaf“ in neuem Glanz und wird seitdem für Vereinstreffen oder Sitzungen der Dienheimer Bürgerschaft genutzt. Der sogenannte Schandfleck, wie er oft bezeichnet wurde, war damit Geschichte.

Nach den weiteren Ausführungen von Achim Baumgärtner wurde das „ehemalige Totengräberhaus“ 1903 erbaut. Darin lebte und wirkte in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts der Dien-heimer Totengräber, daher auch der Name „Totengräberhaus“. Zuletzt wohnten darin während der Weinlese ein polnischer Wingertschütz und zuletzt noch zwei Portugiesen. Ansonsten stand das Gebäude rund 20 Jahre leer. Es gab vonseiten der Gemeinde die Überlegung, das Totengräberhaus abzureißen, dann wieder die Idee, es zu verkaufen. Der Zahn der Zeit nagte immer weiter am und im Gebäude. Im Frühjahr 2016 kam dann die Wende: Auf Antrag der damaligen CDU-Fraktion wurde die Sanierung des Totengräberhauses wieder aufgegriffen und alle Ratsfraktionen unterstützen dieses Vorhaben ausnahmslos. Das Haus am Ehrenmal, das Ehrenmal selbst und die evangelische Kirche stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Daher mussten bei der Komplettsanierung des früheren Totengräberhauses deren strenge Auflagen beachtet werden. Das sanierte Gebäude hat eine Grund-fläche von 70 Quadratmetern, eine eingerichtete Küche und mehrere Raume und verfügt vor allem auf der Gebäuderückseite einen Aufzug für Rollstuhlfahrer und eine behindertengerechte Toilette, wovon sich der Landesbehindertenbeauftragte und auch die ihn Begleitenden direkt vor Ort ein Bild machen konnten.

Das Besuchsprogramm konnte nur exemplarisch einen kleinen Teil der Barrierefreien Einrichtungen der Städte-und Gemeinden in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz zeigen. Insbesondere im Bereich Tourismus gibt es weitere Angebote, über die es zu berichten gilt. Alle Teilnehmer waren sich einig, das der Austausch, die Arbeit für die Inklusion in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz weiter geführt werden muss, hierzu sollen weitere Termine mit den Einrichtungen und Leistungserbringern stattfinden, fasst die 1. Beigeordnete Gabriele Wagner das Ergebnis des Besuchs zusammen.

Bei Ankunft am VG-Verwaltungssitz in Oppenheim dankte der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch für die tollen Eindrücke und vielen Informationen. So seien bereits gelungene und beispielhafte Inklusions-projekte in den Gemeinden realisiert worden und man sei in der VG Rhein-Selz auf dem besten Weg, die Themen und Handlungsfelder des gemeinsam erarbeiteten Aktionsplans „Inklusion Rhein-Selz“ eben genauso gut umzusetzen. Gerne unterstützte er dabei beratend die Verwaltung und Politik bei der Umsetzung ihrer Vorhaben.

Ein Herzlicher Dank für die Organisation und Durchführung des Besuchsprogramm geht an Rudolf Felgner TSC Rhein-Selz, Hartmut Zimmermann, Ludwigshöhe, Alexander und Chris Baumann Schlafgut, Achim Baumgärtner Dienheim, Stefan Herte Beigeordneter und an Frau Dr. Kerstin Steinfurth, Büroleitung von Herr Rösch für die Begleitung und die schönen Fotos.

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